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Mit prickelnder Frische und Rasanz

Blasorchester bot überzeugenden Einblick in seine Wandlungsfähigkeit

Lohmar. Die beiden großen Herausforderungen stellte Dirigent Michael Tappert beim Frühjahrskonzert des Lohmarer Blasorchesters an den Anfang, Zunächst "Das große Tor von Kiew" von Modest R. Mussorgski, das sogleich mit hymnischer Pracht die Jabachhalle füllte. Bei dem komplexen Werk, dem 10. Bild aus "Bilder einer Ausstellung", hatten es die getragenen und kraftstrotzenden Passagen ebenso in sich wie die Wendungen und dynamischen Hürden und verlangten höchste Konzertration von den knapp 60 Musikerinnen und Musikern.

Viele Sonderproben mit den einzelnen Registern seien erforderlich gewesen, bis das Stück fein geschliffen war. Im Saldo jedenfalls stand eine symphonische Ausstrahlung, an der auch Moderator Hansgünther Schröder - selbst renommierter Orchesterchef an der oberen Sieg - viel Gefallen fand.

Der über ein schier lexikalisches Musikwissen verfügende Schröder, der es prima verstand, die Hintergründe verständlich zu vermitteln, war vom "Viva Verdi!" nicht weniger überzeugt. Hier galt einmal mehr, dass das, was wunderbar klingt, meist schwer auszuführen ist. Natürlich kamen die herrlichen Ohrwürmer aus Rigoletto und Aida bei den 500 Gästen bestens an, so würdigten diese die technischen Fertigkeiten und die Musikalität des Klangkörpers ebenso wie das Oboen - Solo von Cornelia Rühl mit reichem Applaus.

Von Klassik bis Pop reicht das Repertoire des Lohmarer Blasorchesters unter Leitung von Michael Tappert.

 (Foto: Böschemeyer)

Unvergänglich ist Sydney Bechet's "Petite Fleur", das Tappert mit viel Schmelz ausführen ließ und bei dem Tochter Nina mit präziser und eleganter Solo - Klarinette überzeugte.

Nach dem Pausenkölsch passte als Auftakt zur zweiten Konzerthälfte der "Champagner Galopp" von Hans Christian Lumbye bestens. Der Komponist wurde seinem Namen als Strauß des Nordens gerecht, denn das werk begeisterte durch seine prickelnde Frische und Rasanz. Anstelle von Schampus - Flaschen knallten am Schluss des Stücks zwei Konfetti - Kanonen, die Dutzende von meterlangen Goldbändern in die Reihen schossen. Darauf passte bestens die Gute - Laune - Musik "It's time to swing", bei der der Dirigent erstklassig den Bigbandsound herausarbeitete und bei dem die vier Perkussionisten Schwerstarbeit zu verrichten hatten. Das "Udo Lindenberg" - Medley, "Tulpen aus Amsterdam" und "76 Trombones" komplettierten den genussvollen Abend und gewährten Einblicke in die Wandlungsfähigkeit des Klangkörpers.

Der Auftakt hatte dem Aufbauorchester gehört, das keinerlei Schwächen zeigte bei Händels "Feuerwerksmusik", "Barcarole & Can Can" oder "Rock my soul". Die Jungen und Mädchen dirigierte ebenfalls Michael Tappert, für den die Nähe zum Nachwuchs "sehr wichtig" ist. Frühzeitig erkenne er somit Schwächen und Stärken, könne schnell korrigieren und die Talente alsbald umso mehr fördern.
(Peter Lorber in der Rhein-Sieg-Rundschau vom 04.04.2012)

Kulturtage: Zum Finale das Blasorchester

"Petite Fleur", den seit Jahrzehnten bekannten, jazzigen Ohrwurm von Sidney Bechet, spielte Solo-Klarinettistin Nina Tappert zusammen mit dem 60-köpfigen Lohmarer Blasorchester. Nina ist eine Tochter von Michael Tappert, dem Dirigenten des Orchesters.

Nina Tappert spielt die Klarinette.

 (Foto: Morich)

Das gut besuchte Frühjahrskonzert in der Jabachhalle mit Titeln aus Oper, symphonischer Blasmusik bis hin zu Rock und Pop war zugleich die Abschlussveranstaltung der "Lohmarer Kulturtage 2012".

Mit den Worten "Lohmar hat Seele, Lohmar hat Kultur" zeigte Vizebürgermeister Reiner Albrecht bei seinem Grußwort, wie sehr ihn die weitgehend von Ehrenamtlern getragenen Kulturtage beeindruckt hatten.
(Jürgen Morich im April 2012 im Lohmarer Stadtanzeiger)

Mit 59 den Traum von der Posaune erfüllt

Das Lohmarer Blasorchester begrüßt den Frühling und beendet die Kulturtage

Lohmar: Das Lohmarer Blasorchester läutete zum 29. Mal den Frühling ein. Zeitgleich bildete das Frühjahrskonzert in der Jabachhalle den Abschluss der "Lohmarer Kulturtage 2012". Mehr als 400 Zuschauer lauschten dem musikalischen Spektrum aus Swing, Klassik, Rock und Jazz. "Klasse Veranstaltung - wie immer", kommentierte Zuschauer und Hobbymusiker Michael Temme die Leistung des Orchesters.

60 Musiker im grünen Blazer hatten sich zuvor zwischen Tuba und Posaune auf der Bühne versammelt. Das jüngste Mitglied ist 13 Jahre alt, nicht weit von ihm steht Gerd Riediger, der erst mit 59 Jahren sein Blasinstrument zu spielen gelernt hat: "Posaune zu spielen, war mein Jugendtraum, aber da bekommt man schwer eine Wohnung zur Miete. Als ich ein eigenes Haus hatte und mich auf die Rente zu bewegte, nahm ich sofort Unterricht und verwirklichte meinen Traum."

Eine lange Tradition hat das Frühjahrskonzert des Lohmarer Blasorchesters, das zum Ausklang der Kulturtage aufspielte.

 (Foto: Palkoska)


Gemeinsame Sache

Ob zu "La Traviata" von Verdi im ersten Teil der Veranstaltung oder zu "Africa" von der kalifornischen Rockband Toto im zweiten teil: Der Der Dirigent des Siegtaler Bläsercorps, Hans-Günther Schröder aus Windeck, moderierte auch in diesem Jahr das Frühjahrskonzert des Lohmarer Blasorchesters und vermittelte dem Publikum zu jedem Stück musikhistorisches Hintergrundwissen. "Wir sind miteinander befreundet und ich fühle mich bei den Lohmarern einfach wohl", sagte der Musiker: "Im kommenden Jahr hoffen wir dann, mit dem Siegtaler Bläsercorps und dem Lohmarer Blasorchester etwas gemeinsam aufzustellen."
(Roman Palkoska im Rhein-Sieg-Anzeiger vom 1.4.2011)